Steuerberater und ihr eigener Horizont

So gut wie jeder Unternehmer hat einen eigenen Steuerberater seines Vertrauens und das ist auch gut so. Schließlich geht es um Geld und die korrekte Versteuerung desselbigen. Allerdings haben Steuerberater einen Fokus, der nicht immer automatisch die besten Lösungen für die eigenen Klienten bereithält. Der Artikel zeigt, welche Modelle der Steueroptimierung es gibt und worauf dabei zu achten ist.

Steuerberater sind prinzipiell skeptisch

Die wenigsten Steuerberater werden himmelhoch jauchzen, wenn ihm ein Vorschlag eines alternativen Steuermodells unterbreitet wird. Weshalb ist das so?

Nun, es kann mehrere Gründe für diese Form der Reaktion geben. Einerseits ist der Steuerberater absoluter Spezialist für einige wenige Modelle der Vermögensstrukturierung, inklusive der steuerlichen Behandlung derselben. Hier versucht er alles, um für die eigenen Klienten das Maximum herauszuholen. Allerdings werden von ihm in den seltensten Fällen – Achtung: Ausnahmen bestätigen die Regel – Alternativmodelle untersucht und das bestehende System in Frage gestellt.

Um Alternativen in Betracht zu ziehen, die vielleicht weniger mit dem alltäglichen Geschäft zu tun haben, muss man sich eine gewisse Expertise aneignen. Ist dies, aus motivationalen oder zeitlichen Gründen, nicht möglich, dann müssen andere Experten hinzugezogen werden. Dieser Mehraufwand ist natürlich nicht immer erwünscht.

Die Kernaufgaben des Steuerberaters

Leider fällt das Vorschlagen von gängigen Alternativen in der steuerrechtlichen Praxis selten zu den Kernaufgaben der Steuerberater. Oftmals gibt es nur die gängigsten Optionen wie eine  GmbH, AG, usw. Dies ist natürlich ein Stück weit eine Überzeichnung der Situation.

Doch private oder gemeinwohlorientierte Genossenschaften oder die Transformation der eigenen geschäftlichen Grundlage in einen Verein, sind wohl eher die Ausnahmen denn die Regel. Wer hier keine Expertise oder Erfahrung aus der gelebten Praxis hat, wird diese Strukturen eher meiden. Deshalb wird eher versucht, im bekannten Bereich, das eine oder andere Prozent heraus zu holen. Ob dies die beste Option für den Klienten ist, sei an dieser Stelle offen gelassen, doch sicherlich ist es die beste Option für den Steuerberater, weil er hier sehr ressourcenschonend und ohne Angst, Fehler zu machen, agieren kann.

Eine qualifizierte Zweitmeinung einholen

Was im medizinischen Bereich schon gang und gäbe ist, ist im steuerrechtlichen Bereich oftmals noch nicht angekommen. Die Vertrauensbasis zum eigenen Steuerberater hindert viele Menschen, sich mit Alternativen auseinander zu setzen. Alles, was nicht der Norm entspricht, wird zur Sicherheit ausgeblendet. Man würde sich steuerlich natürlich gegen die Masse stellen, was auch geistig für viele eine Herausforderung darstellt.

Steueroptimierung wird von der Gesellschaft mit Steuerhinterziehung gleichgesetzt, was natürlich, bei genauerer Betrachtung, auf gar keinen Fall so ist. Sogar das genaue Gegenteil kann der Fall sein, wenn nämlich Steueroptimierung auf Gemeinwohl trifft, was bei einer Vereinsmodell sogar zwingend der Fall ist, da es ohne entsprechende Statuten auch gar keinen Verein geben kann. Der Unterschied ist jedoch, dass die Vereinsgründer selbst bestimmen, für welche Projekt das Vereinsgeld verwendet wird und nicht den Umweg über den Staat geschieht. Hier sollte in jedem Fall die Expertise eines Experten hinzugezogen werden, da auch hier etliche Fallstricke in der Ausformulierung der Statuten lauern.

Kein Vorwurf an die Steuerberater

Dieser Artikel darf auch nicht als Vorwurf an die Steuerberater gesehen werden, denn es ist tatsächlich so, dass gar nicht über alle Modelle Bescheid gewusst werden kann. Diese jedoch, ohne entsprechendes Wissen, im Vorhinein jedoch zu verteufeln, dies ist durchaus zu kritisieren.

Gleichzeitig müssen jedoch auch Klienten immer mündiger werden und die verschiedenen Steueroptimierungsmodelle aktiv an die Steuerberater ihres Vertrauens herantragen. Wenn dieser dann tatsächlich gute Argumente gegen diverse Modelle wie Vereine, Stiftungen oder Genossenschaftsmodelle ins Feld führt, kann der Klient noch immer selbst überlegen und zu einer fundierten Entscheidung gelangen. Selbstverantwortung wird auch in Steuerfragen immer wichtiger. Sich die notwendigen Informationen zu besorgen, die für diese fundierte Entscheidung notwendig sind, ist ebenfalls eine Hol- und keine Bringschuld.

Über Komplexität, Individualität und Legalität

Egal, mit welchem alternativen Modell man sich auch beschäftigt, es ist enorm wichtig, dass es steuerrechtlich legal ist und langfristig Vorteile verschafft. Das Finanzamt schläft, verständlicherweise, nie und untersucht jede Aktion sehr genau. Das ist auch gut so. Deshalb ist vom Bewegen in diversen steuerlichen “Graubereichen” definitiv abzuraten.

So etwas wie “das” optimale Modell der Steueroptimierung gibt es per se nicht. Es gibt nur eher passende und weniger passende Modelle, abhängig von den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Klienten. Manche Klienten möchten unbedingt ihren Wohnsitz im DACH-Raum beibehalten, andere wiederum suchen ihr Heil in der weiten Ferne. Die gute Nachricht: Für alle Ziele und Wünsche gibt es die passenden Möglichkeiten, wenn man bereit ist, den eigenen Horizont zu erweitern.

Billiganbieter gefährlich!

An diesem Punkt muss unbedingt festgehalten werden, dass wahre Expertise Geld kostet. Immer wieder tauchen Anbieter auf dem Markt auf, die mit scheinbar günstigen Beratungsmodellen dafür sorgen wollen, die eigenen Steuern auf ein Minimum zu reduzieren. Hier ist höchste Vorsicht geboten, was die Qualität und die Legalität des Angebotes angeht. Dies bedeutet natürlich nicht, dass hohe Kosten automatisch mit einer Erhöhung der Qualität einhergeht.

Es liegt jedoch auf der Hand, dass mit der Komplexität und der Qualität der Beratung auch die Kosten steigen. Wichtig ist, dass die Anbieter glaubhaft machen können, dass sie bereits mehrere Kunden erfolgreich in der Praxis unterstützt haben. Fakt ist, dass Theorie und Praxis sich unterscheiden und nicht jedes theoretisch gut klingende Modell auch in der Praxis funktioniert.

Fazit

Es kann durchaus lohnenswert sein, alternative Modelle der Steueroptimierung ins Auge zu fassen. Sinnvolle Arrangements sind bereits ab einem Jahresgewinn von 20.000 Euro möglich. Um dies in die Praxis umzusetzen, benötigt man jedoch unbedingt ausgewiesene Experten an die Hand, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Autoreninfo

Marc Schippke ist CEO und Geschäftsführer der Schippke Wirtschaftsberatung AG. Zusammen mit einem ausgewiesenen Expertenpool sorgt er dafür, dass seine Mandanten ihre Steuern optimieren, sich internationalisieren und gemeinwohlorientiert wirtschaften.