Raucher oder Nichtraucher – das ist hier die Frage

„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen.

Die Krux mit der internen Kommunikation

In Hannes’ Unternehmen wurde ein Feldtest gemacht. Ganz gezielt wollte man ausloten, wie die informellen Kommunikationskanäle verlaufen. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass Intranet-Beiträge nicht gelesen und interne Weisungen vergessen werden. Das gute alte Anschlagbrett wird sowieso nur noch für private Verkaufszwecke genutzt. Neben dem Rasenmäher, der zwecks «nicht-mehr-Gebrauch günstig abzugeben» ist, werden Kinder-Hüte-Dienste nachgefragt, da das Unternehmen immer wieder kurzfristig auf Teilzeit-Mitarbeitende mit Kleinkindern zurückgreift.

Der Versuch wurde so angelegt, dass auf verschiedenen Kanälen eine Information gestreut und danach erfasst wurde, wo die Information am schnellsten und effizientesten in die Breite ging. Das Problem war höchstens, dass der Inhalt der Nachricht wenig durchdacht war. «Der Chef heiratet, aber man weiss noch nicht wen» wurde gestreut und kurzerhand haben die internen Kommunikationswege der Aussage die mutmassliche Braut dazu gedichtet. Da der Chef einige Male mit der neuen Marketing-Leiterin auf Dienstreisen war, lag es auf der Hand, diese im Grunde nicht vorhandene Beziehungslinie zu zeichnen, zu festigen und weiter zu verbreiten.

Das inhaltliche Nachspiel ist noch nicht ausgestanden, aber für Hannes war’s nur ein Feldtest. Die grossangelegte Analyse mit Säulen, Powerpoint und anderen Gimmicks soll nun aufzeigen, wie künftig noch gezielter interne und auch wichtigere Informationen als die der Heirat, verbreitet werden können.

Es gibt einen klaren Sieger

Zum Ergebnis: Eindeutig auf Rang 1 liegt die Raucherecke. Hier war auch die Menge der Information am grössten. Denn nicht nur wurde zusätzlich zur Braut bereits ein Datum des Festes «erfunden», sondern auch gleich eine bereits vermutete Schwangerschaft inkludiert. Dass die Flitterwochen nach Indonesien gehen, wird unterdessen nicht mehr in Zweifel gezogen. Obwohl notabene gar nichts davon stimmt.

Fazit: wenn Informationen den Weg zum Empfänger finden, dann erfolgt das in der Raucherecke. Hier werden, so zeigt die Auswertung, auch Stellen vergeben. Und ja, der Chef und die Marketingleiterin sind Rauchende – auch das eine wahre Tatsache.

Anders interpretiert: wer nicht raucht, existiert im Informationskanal nicht. Was für Jugendliche Instagramm, ist für Mitarbeitende der Smoke-Corner. Auch wenn er draussen, bei Wind und Wetter, ungeschützt und mit nicht lackierten Holzbänken vor sich hin müffelt.

Bereits werden Stimmen laut, diese «Zelle des informellen Austauschs» ganz zu verbieten oder noch unattraktiver zu machen. Weniger Platz und mehr Enge wäre ein Ansatz, ihn an eine vielbefahrene Strasse zu verlegen die Verstärkung der Unattraktivität.

Hannes schlägt als altgedienter Praktiker dem Geschäftsleitungsgremium eine andere Variante vor. Es wird gewünscht, dass alle rauchen. Um nicht mit den Gesundheitsverantwortlichen des Unternehmens in Konflikt zu geraten und nicht als Unternehmen dazustehen, das gezielt «Un-Gesundheit» fördert, wird das – einmal mehr – technisch gelöst.

Alle werden zum nichtrauchenden Raucher

Es gibt neu eine Art «E-Zigarette ohne Inhalt». Sie sieht gleich aus, wie die anderen, die seit Neustem en vogue sind. Die neue Art dampft nur nach aussen und ist mit einem kleinen Heizgerät ausgerüstet. Wasser einfüllen, Heizung an und dann ist die Sache in fünf Minuten verdampft. Das sieht aus wie echt, die Menschen können sich zu den Rauchern stellen, ohne rauchen zu müssen und erfahren schlichtweg alles.

Und ja: das Angebot dieser neuen E-Zigaretten gilt nur 48 Stunden, aber Hannes ist überzeugt: wenn man es in den richtigen Kanal stellt, ist die Ware innert Kürze weg.


Informationen zum Autor
Stefan Häseli ist Kommunikationstrainer, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Der Kommunikationsexperte begleitet seit Jahren zahlreiche Unternehmen bis in die höchsten Vorstände von multinationalen Konzernen. Er doziert an Universitäten und Fachhochschulen im Themenfeld Kommunikation. Als Experte nimmt er im Radio und TV-Stationen immer dann Stellung, wenn Kommunikation irgendwo auf der Welt gerade eine entscheidende Rolle spiel, wie beispielsweise die ersten Wochen „Donald Trump“ oder der Blick auf das Kommunikationsverhalten von Boris Johnson oder Greta Thunberg.

Die Kommunikation in ihren unterschiedlichen Welten und die Details in der Sprache faszinieren ihn und prägt seinen beruflichen Werdegang. Er begeistert in seinen Fachartikel und Kolumnen mit feinsinnigem Humor. In seinen Vorträgen und Seminaren vermittelt er Wissen kurzweilig und gespickt mit Beispielen aus der Praxis sowie amüsanten Anekdoten – stets mit einem liebevollen Augenzwinkern und beleuchtet so manche Absurdität aus den Chefetagen auf satirische Weise. Er regt als internationaler Speaker dazu an, wirkungsvolle Kommunikation im Alltag mit Spaß zu erleben.

Stefan Häseli fungiert darüber hinaus als Business-Kabarettist. Der ausgebildete Schauspieler, gefragte Entertainer und Comedian mit jahrelanger Bühnenerfahrung schreibt sämtliche Programme selbst . Dazu kommen regelmäßige Engagements in Kino-Produktionen, TV-Serien, Werbespots und Schulungsfilmen. Er gehört zu den Business Comedians der ersten Stunde, begeistert sein Publikum mit feinsinnigem Humor.

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