Junge Generation erwartet flachere Hierarchien am Arbeitsplatz 

Umfrage zur Europäischen Arbeitsforschungstagung beyondwork2020, Anzahl der Befragten: 2.502, Statistischer Fehler: 8,5 %

Berufliche Hierarchien werden in Zukunft flacher – dieser Überzeugung sind 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland. Die über 30-Jährigen sind anderer Meinung: So denken beispielsweise nur rund 38 Prozent der 30- bis 39-Jährigen, dass Hierarchien am Arbeitsplatz an Bedeutung verlieren. Das ergab eine repräsentative Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey* im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Meinungsumfrage wurde im Vorfeld der Europäischen Arbeitsforschungstagung beyondwork2020 durchgeführt, die sich dem Wandel der Arbeitswelten widmet und am 21. und 22. Oktober virtuell und vor Ort in Bonn stattfindet.

Flachere Hierarchien bringen neue Anforderungen mit sich, sowohl an die Führungskräfte als auch an die Teammitglieder. „Es ist jetzt eine mehr ergebnisbezogene Führung gefragt“, sagt dazu Prof. Dr. Simone Kauffeld von der Technischen Universität Braunschweig. Sie setzt auf das Konzept des sogenannten Shared Leadership. Das bedeutet: „Führungsaufgaben wie Prioritätensetzung, Zielklarheit, Aufgabenverteilung, Wertschätzung der Teammitglieder und Schaffung eines Wir-Gefühls können im Team verteilt werden. Aber das mikropolitische Management, nämlich die Beziehungen nach außen und die Akquise von Ressourcen für das Team, lässt sich nur sehr schwer delegieren und bleibt Kernaufgabe der Führungskraft. Shared Leadership löst somit nicht die positive Vorbildfunktion einer Führungskraft auf.“

Flache Hierarchien erfordern strategisches Kompetenzmanagement

Vor allem für junge Berufstätige können die erhöhten Anforderungen herausfordernd sein. So schildert die Konditormeisterin Sara Heydweiller (28 Jahre): „Die Meister werden immer jünger, das halte ich in meinem Beruf für schwierig. Als Meisterin muss ich sowohl fachliches Können vorweisen als auch emotionale Reife haben. Ich muss in der Lage sein, Emotionen zurückzunehmen, auch in Krisensituationen klar und rational zu reagieren und auch in schwierigen Kundensituationen besonnen, ruhig, gelassen und selbstbewusst zu sein. Dazu ist man häufig nur mit mehr Lebenserfahrung in der Lage. Wenn ein 19-jähriger Geselle auf eine 22-jährige Meisterin trifft, denkt er sich: ‚Was kann sie mir vermitteln?‘ Oft fehlt jungen Meistern die Berufs- und Lebenserfahrung, um ein echtes Vorbild und eine Orientierungsfigur zu sein.“

Um diese Herausforderung zu bewältigen und möglichen Überforderungen entgegenzuwirken, spielt das Thema „Kompetenzmanagement“ eine wichtige Rolle für Organisationen. Wie Unternehmen den künftigen Kompetenzbedarf antizipieren und die Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden fördern und weiterentwickeln können, erläutert Prof. Dr. Simone Kauffeld auf der Arbeitsforschungstagung beyondwork2020.

Bildquellen

  • BW20_Umfrage_Grafike~rchien_webRZ_02: Civey