Interview mit Michael Keusgen

Michael Keusgen (54) machte nach dem Abitur eine Ausbildung zum TV Producer, studierte dann Chinesisch und Geographie an der School of Oriental and African Studies SOAS in London. Über Stationen bei der BBC, WTN und ABC News kam Michael Keusgen zurück nach Deutschland und gründete die AZ Media mit Sitz in Köln. Nach dem Verkauf hat er in diverse Unternehmen mit dem Fokus Medientechnologie investiert. Michael Keusgen ist Gründer und Verwaltungsrat der ella media AG.

Wie sind Sie denn auf die Geschäftsidee gekommen?

Die Geschäftsidee der ella ist eine konsequente Weiterentwicklung all meiner Medienaktivitäten der letzten drei Jahrzehnte. Sie verfolgt eine hochinnovative Idee, bei der bewusst mit herkömmlichen Arbeitsprozessen und Technologien gebrochen wird. Meine Vision ist es, das erste global agierende Texterstellungsunternehmen zu sein, welches ausschließlich mit künstlicher Intelligenz (KI) arbeitet.

Warum wurde die ella media AG in der Schweiz gegründet?

Die Schweiz ist ein neutraler Standort von dem aus weltweit expandiert werden kann. Wir sind mit offenen Armen im Kanton Zug empfangen worden. Im sogenannten Crypto Valley werden die Themen Blockchain und KI stark gefördert und nach vorne gestellt.

Zu guter Letzt haben wir in der Schweiz passendere Voraussetzungen für die
Patentanmeldung vorgefunden.

Wie unterscheidet sich ella von anderen Playern, die sich mit KI-basierter Texterstellung beschäftigen?

Das Besondere an der ella KI ist das „freihändige“ Schreiben Wort für Wort – und das fiktional und non-fiktional. Freihändige Kommunikation ist auch ein Qualitätssprung in der Texterstellung mittels KI. Nach meinem Kenntnisstand sind wir damit einzigartig auf der Welt.

Kann man schon irgendwo Geschichten von ella lesen? Wie ist die Resonanz darauf und wie hat sich die Lernkurve entwickelt?

Wir haben einen Blog, auf dem man die Lernkurve sehr gut nachverfolgen kann. Die Geschichten werden immer besser, komplexer und tiefgründiger. Die Geschichten kommen sehr gut an. Bereits jetzt sprechen wir mit potenziellen Kunden über die individuelle Entwicklung von innovativen und individualisierten Unterhaltungskonzepten im Bereich BtC-Contentgenerierung.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein?

Diese Frage lässt sich Stand heute nicht zufriedenstellend beantworten, da noch zu viele unterschiedliche Herangehensweisen erprobt werden. Wir hoffen, dass wir uns mit unserer KI durchsetzen. Im Bereich Fiktion ist uns niemand bekannt, der in der Lage ist, freihändig zu schreiben.

Welche Chancen sehen Sie in Zukunft für den Einsatz von künstlicher Intelligenz?

Wir erwarten, dass KI maßgeblich unser Leben bestimmen, einfacher und bequemer machen wird. Wir sollten uns daher Gedanken machen, wie wir das regulieren bzw. kennzeichnen. Der Mensch kann durch KI effektiver Arbeiten und hat eine geringere Fehlerquote. Für die Erstellung von Texten bedeutet das, dass sich Redakteure, Content-Manager etc. lästige Arbeiten vom Hals halten und auf das Wesentliche konzentrieren können.

Gibt es ethische Kritik an KIs wie ella?

Jede technische Errungenschaft hat in der Zivilisationsgeschichte zu Skepsis und Unsicherheiten geführt. Bedenken Sie nur, dass die Menschen bei dem ersten Zug mit der Dampflok dachten, dass die Seele am Ausgangspunkt bleibt und nur der Körper fährt. Auch bei KI und im speziellen der Texterstellung durch Machine Learning gibt es Vorbehalte. Diese nehmen wir konstruktiv auf und entwickeln so lange, bis tatsächlich etwas für den Menschen Vorteilhaftes rausgekommen ist.

Wie schätzen Sie das Potential für das Redaktionstool ein, welches in diesem Jahr gelauncht wird? Wer werden ihre Kunden sein?

Wir schätzen das Potential des Tools sehr hoch ein, denn unsere Absicht ist, jede Redaktion in Deutschland und weltweit mit dem Tool in eine angenehmere Redaktionsarbeit zu versetzen. Die Software soll ermöglichen, die redaktionelle Arbeit um 50 % zu beschleunigen, da sie bereits in der Recherche-Phase Hilfestellung gibt. Die Erstellung der Texte erfolgt dann automatisiert, aber immer unter Mitwirkung des Redakteurs. Als mögliche Kunden sehen wir große Verlagshäuser, aber auch regionale Medienhäuser
und freischaffende Journalisten. Und das im In- und Ausland, da wir bereits jetzt mit 16 Sprachversionen arbeiten.

Was sind ihre langfristigen Ziele mit der ella media AG?

Wir wollen die Content-Branche revolutionieren. Unsere KI-basierte Software soll in der Lage sein, weltweit und in allen Sprachen hochwertigen Content und kreative Geschichten automatisiert Wort für Wort zu entwickeln. Sofern es uns die geschäftliche Entwicklung ermöglicht, wollen wir weitere Lebensbereiche durch Machine Learning optimieren bzw. verbessern.

Was ist aktuell ihre größte Herausforderung?

Neben der Gewinnung von Fachkräften versuchen wir gerade die zeitgenaue Integration von Fakten in Texte zu realisieren. Permanent feilen wir an unserem Employer Branding, um das Startup zu sein, welches diesem Experten eine state-of-the-art Wirkungsstätte gibt.

Eine Bemerkung noch: Wir sind schon jetzt sehr stolz, dass wir Talente von namhaften Beratungen und von Global Playern wie Google gewinnen konnten.

Was macht das Arbeiten bei ella so besonders?

Wir wollen nicht nur Geschichten schreiben, wir wollen Geschichte schreiben. ella strebt etwas Einzigartiges an. Die Möglichkeit zur Verwirklichung von Entwicklungsträumen – wie zum Beispiel das Schreiben von Drehbüchern.

Wir stehen für modernes Arbeiten mit besten technischen Ressourcen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, wenn Frauen gerade in technischen Berufen und auch in allen Ebenen des Unternehmens und selbstverständlich auch im Management vertreten sind, dass Unternehmen zukunftsweisend gefördert werden. Neue Mitarbeiter dürfen sich auf moderne Büros an attraktiven Standorten und auf flexibles und familienfreundliches Arbeiten freuen.

Welche Talente werden besonders gesucht?

Für den Organisationsaufbau und die -entwicklung suchen wir Talente aus allen Bereichen. Vom Werkstudenten/Praktikanten über Projektmanager bis hin zum Senior Manager.

Um genau zu sein: KI/Machine Learning Experten, Data Analysts, Linguisten, SaaS Spezialisten, Business Development Spezialisten, Marketing- und Vertriebs- Manager, Experten im Bereich Unternehmensentwicklung/Strategie/Organisation,
Management Referenten und Team Assistenten.