Deutschlands Unternehmen haben in puncto Flexibilität und Agilität im vergangenen Jahr aufgeholt. Während der Flexibilitätsindex der deutschen Wirtschaft für 2019 noch bei nur durchschnittlichen 3,67 lag, sprang er für 2020 auf starke 4,47 von 6. Ein deutlicher Anstieg, der zeigt, dass die meisten Unternehmen schnell auf die Corona-Krise reagiert haben. Das belegen die aktuellen Zahlen aus dem jüngsten Flexibilitätsmonitor. Der Aurum Flexibilitätsindex ist eine neue, wissenschaftlich fundierte Kennziffer, die den Flexibilitäts- und Agilitätsgrad von Unternehmen bewertet. Entwickelt wurde er von Aurum Interim Management, einem der führenden Interim Management Provider in Deutschland, in Zusammenarbeit mit der CBS International Business School, einer der renommiertesten privaten Hochschulen.

„Es ist beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Ausmaß es Unternehmen in Deutschland gelungen ist, sich auf die neuen Gegebenheiten in der Corona-Krise einzustellen“, kommentiert Axel Oesterling, Geschäftsführer von Aurum Interim Management, das Ergebnis des zweiten Flexibilitätsmonitors. „Wir können fast so etwas wie einen Flexibilitätsboost feststellen.“ Mehr als 500 Führungskräfte und Manager aus der Wirtschaft wurden im Zuge der zweiten Auflage des Flexibilitätsmonitors branchenübergreifend befragt. Die Ergebnisse belegen einen klaren Anstieg im Vergleich zum vergangenen Jahr. „Fast alle abgefragten Flexibilitätsdimensionen wurden 2020 um fast einen Skalenpunkt besser bewertet als 2019“, konstatiert Studienleiterin Prof. Dr. Irene López von der CBS International Business School. „Das belegt, dass die durch Corona bedingte erforderliche Umstellung von Arbeitsprozessen sowie -methoden überwiegend gut funktioniert hat.“

Flexibilität als wichtige Säule für Unternehmenserfolg

Die Bewertung der Wichtigkeit von Flexibilität für den Unternehmenserfolg ist mit einem Index von 4,81 unverändert hoch geblieben (2019: 4,86). Mit einem Sprung von 3,67 auf jetzt 4,47 wird dagegen der Status Quo der unternehmenseigenen Flexibilität viel besser eingeschätzt. Axel Oesterling sieht darin ein gutes Zeichen: „Es sieht für mich wie eine Aufholjagd aus. Den Unternehmen ist es gelungen, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die wir im letzten Jahr noch klar erkennen konnten, zu schließen. Die Corona-Krise – das ist wahrscheinlich das einzig Positive – hat sich klar als Flexibilitätsmotor erwiesen. Wie nachhaltig dieser Trend ist, wird sich jedoch erst im nächsten Jahr zeigen.“

Auffällig: Home Office kurbelt Feedback-Kultur an

Es sind insgesamt sechs Bereiche, die Aurum Interim Management zusammen mit der CBS für den Flexibilitätsmonitor definiert hat. Dazu zählen die Unternehmensstrategie und -kultur, Arbeits- und Organisationsstrukturen, Personalinstrumente, Führungskräfte, Mitarbeiter sowie das Arbeitsumfeld mit seinen IT-Tools. Auf nahezu allen sechs Feldern gibt es signifikante Veränderungen. Eine besonders klare Tendenz nach oben ist auf der Ebene der Unternehmensstrategie und -kultur ersichtlich. Über 50% der Befragten und damit 20% mehr als in 2019 betrachten das eigene Unternehmen mit einem Index von 4,47 auf der 6er-Skala als wandlungsfähig (2019: 3,93). Einen starken Zuwachs verzeichnet erstaunlicherweise ebenfalls die Feedback-Kultur mit einem Anstieg von 3,88 auf 4,48. „Das Home Office scheint keine negativen Auswirkungen auf die Feedback-Kultur zu haben. Ganz im Gegenteil: Die Feedback-Kultur hat sehr vom Home Office und der intensiven Nutzung digitaler Kommunikationstools profitiert“, fasst Oesterling das Ergebnis zusammen. Ebenso auffällig und bemerkenswert: Auch die Investitionsbereitschaft von Unternehmen in die Neuausrichtung von Prozessen und agilen Fähigkeiten und Kompetenzen von Mitarbeitern ist im vergangenen Jahr im Zuge der Corona-Krise angestiegen (Prozesse: 3,91 vs. 4,53, agile Fähigkeiten/Kompetenzen: 3,84 vs. 4,49). „Das zeigt, dass die Unternehmen sich der Notwendigkeit zu Veränderungen gestellt haben“, so Oesterling.

IT und flexible Arbeitszeitsmodelle als wesentliche Treiber

Weniger überraschend sind dagegen die Resultate für die Bereiche IT und Arbeitsplatzmodelle. Nur noch knapp 15% der Befragten schätzen die unternehmenseigene IT-Expertise als schwach bis gar nicht vorhanden ein im Vergleich zu 30% in 2019. Und auch in puncto Modernität der IT-Infrastruktur hat sich einiges getan. Während die Modernität der eigenen IT 2019 noch mit einem Index von 3,36 belegt wurde, sind es 2020 stolze 4,67. Die IT erweist sich damit als klarer Flexibilitätstreiber. „Bei der IT-Modernität verzeichnen wir den größten Sprung nach oben innerhalb des Flexibilitätsmonitors“, sagt Axel Oesterling. „Die IT hat ganze Arbeit geleistet und einige Pluspunkte gesammelt.“ Aber auch die Nutzung digitaler Kommunikationstools hat konsequenterweise Auftrieb bekommen – an der Spitze stehen dabei MS Teams, Zoom und Skype. Etabliert und stärker durchgesetzt haben sich in der Krise Arbeitsplatzmodelle, die sich ebenfalls positiv auf die Flexibilität auswirken. In beiden Jahren gaben ca. 90% der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen Home Office generell angeboten wird. Der Unterschied in 2020: die unternehmensinterne Ausweitung des Angebots auf mehr Mitarbeiter.

Gute Noten für Führungskompetenz in Corona-Zeiten

Ein gutes Zeugnis stellen die Studienteilnehmer der Führungskompetenz in ihren Unternehmen während des Corona-Jahres 2020 aus. Knapp 90% der Studienteilnehmer haben sie als gut oder sehr gut erlebt – ein Top-Wert. Aber auch die Umstellung auf digitales Arbeiten wird gelobt: 75% gaben an, dass dieser Prozess in ihrem Unternehmen schnell oder sogar sehr schnell erfolgte. Nur 10% haben sich damit schwer getan.

Flexibilitätssteigerung als Mittel zur Erfolgssteigerung

Die Ergebnisse des zweiten Aurum Flexibilitätsmonitors zeigen, dass die Flexibilität und Agilität in deutschen Unternehmen an Kraft und Dynamik gewonnen haben. Zu hoffen ist, dass dieser Trend anhält und damit das Bewusstsein für die Bedeutung von Flexibilität noch weiter wachsen wird. „Alle Unternehmen mussten erfahren, was es bedeutet, von einem auf den anderen Tag Arbeitsmodelle und Arbeitsprozesse zu verändern“, kommentiert Aurum Interim Management Geschäftsführer Axel Oesterling die Resultate. „Sie wurden dadurch zu einer Erfahrung gezwungen, die ihnen gezeigt hat, wie wichtig und wertvoll Flexbilität für Unternehmen ist. Und wieviel Potenzial darin steckt, schnell und agil auf Veränderungen reagieren zu können. Das jedoch sollte vor allem ein Appell sein, noch stärker in die Flexibilisierung zu investieren. Denn Flexibilitätssteigerung ist kurz-, mittel- und langfristig Erfolgssteigerung.“ Oft fehlt es den Unternehmen allerdings an fachlicher Kompetenz oder an zeitlichen Kapazitäten, die Flexibilisierung voranzutreiben. Ein klarer Indikator dafür gemäß der Erfahrung von Oesterling: die gestiegene Anzahl an Anfragen im Bereich Interim Management mit diesem thematischen Fokus.

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